Brandprävention im Warenlager Teil 1: Wie funktioniert Sauerstoffreduktion?

Das Lager ist das Zentrum jedes Betriebes – sei es im Bereich des E-Commerce oder auch im produzierenden Gewerbe. Die hier oft dicht an dicht aufbewahrten Materialien und Produkte stellen für Unternehmer ein Gut dar, das es zu schützen gilt. Für Brandschutzexperten sind Kartons, Paletten, Kunststoffbehälter und Co. jedoch in erster Linie eins: nämlich eine riesige Ansammlung brennbaren Materials. Eine intelligente Brandschutzmethode bietet in diesen Lagerbereichen das Höchstmaß an Sicherheit – indem sie dem Feuer ganz einfach die Luft abdreht.

Damit ein Brand entstehen kann, spielt neben einer starken Hitzequelle und natürlich brennbarem Material der Sauerstoffgehalt der Luft eine entscheidende Rolle. Senkt man diesen um nur wenige Prozentpunkte, sinkt damit auch das Brandrisiko enorm. Diese Methode nennt sich Sauerstoffreduktion. Der international tätige Anlagenbauer Wagnergroup ist hierfür Experte.

Um sich dieses Verfahren in einem Lager zu Nutze zu machen, braucht es zwei Dinge: eine dichte Gebäudehülle und ein technisches System zur kontrollierten Sauerstoffreduktion. Der Sauerstoff wird dabei reduziert, indem der Anteil anderer Elemente in der Luft vergrößert wird. „Stickstoff ist ein natürlicher, nicht brennbarer Bestandteil der Luft. Er wird durch unser OxyReduct® System separiert und gezielt in den zu schützenden Bereich geleitet. Gleichzeitig wird der Sauerstoff in die Atmosphäre abgeführt. So kann die Sauerstoffkonzentration punktgenau unter die je nach gelagertem Material spezifische Entzündungsgrenze abgesenkt und anschießend gehalten werden“, erklärt Torsten Szypulski, Bereichsleiter Vertrieb bei der Wagner Group GmbH. Ein Feuer kann so nicht aufrechterhalten werden – und die Ausbreitung eines offenen Brandes wird im Keim erstickt.

Viele Vorteile, keine Folgeschäden

Sauerstoffreduktion ist also dann besonders sinnvoll, wenn Waren dicht an dicht lagern. Doch welche Vorteile bietet sie eigentlich im Vergleich zu herkömmlichen Brandschutzmethoden? Weit verbreitet sind nach wie vor die herkömmlichen Sprinkleranlagen. Die dafür benötigten riesigen Tanks bzw. Becken machen die Methode für viele Lagerumgebungen nicht effizient. Wird die Sprinkleranlage im Brandfall ausgelöst, liegen die Folgen nahe: Durch den Wassereinsatz erleiden in der Regel sowohl die verbaute Technik als auch die gelagerte Ware einen erheblichen Schaden. Viel besser als durch die Bekämpfung eines schon entstandenen Feuers lassen sich Waren also durch eine effektive und vollständige Brandprävention schützen – wie mit der Sauerstoffreduktion.

Hohe (Prozess-)Sicherheit in automatisierten Umgebungen

Die globale Intralogistik wird derzeit durch zwei Trends beeinflusst, durch die die Anforderungen in Sachen Brandschutz neu definiert werden. Der boomende E-Commerce bringt die zunehmende Automatisierung von Lagerhäusern immer weiter in Schwung. Mehr und mehr Ware muss den Konsumenten in kürzester Zeit zur Verfügung stehen, also werden auch die Lager immer voller – und immer wertvoller. Ein Brand bringt nicht nur Personen und Sachwerte in erhebliche Gefahr, sondern stoppt auch alle laufenden Prozesse im Lager. Darunter leiden die Lieferfähigkeit eines Unternehmens und im schlimmsten Fall auch die damit verbundene Produktion für einen längeren Zeitraum. Deshalb ist die Sauerstoffreduktion besonders in der wachsenden Zahl automatisierter Lagerhäuser ratsam. Einerseits sind hier weniger Menschen unterwegs, die die sauerstoffreduzierten Bereiche zwar begehen, aber hier keine stundenlange harte Arbeit verrichten können. Andererseits werden die enormen Warenmengen in diesen Bereichen optimal geschützt.


Können Menschen in sauerstoffreduzierten Umgebungen arbeiten?

Die Antwort lautet: ja. Die Räume sind begehbar, denn gesunde Menschen sind durchaus in der Lage, mit weniger Sauerstoff auszukommen, als in der normalen Atemluft vorhanden ist. So entspricht die Sauerstoffaufnahme in einer O2-reduzierten Umgebung mit 15 Volumenprozent des lebenswichtigen Stoffs etwa der Sauerstoffaufnahme bei einem Aufenthalt auf der Zugspitze in einer Höhe von ca. 3000 Metern. Um jegliche Risiken auszuschließen, sind bei Konzentrationen unterhalb von 17 Volumenprozent Sauerstoff Arbeitsschutzmaßnahmen wie vorangehende arbeitsmedizinische Untersuchungen und regelmäßige Pausen alle vier Stunden vorgesehen.