Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Gabelstaplerführerschein

Der Umgang mit einem Flurförderzeug geht mit einem gehörigen Maß an Verantwortung einher. Immerhin bewegt man ein tonnenschweres Gefährt, das wiederum tonnenschwere Ware transportiert. Klar, dass es deshalb klare Regeln dafür gibt, wer ein Flurförderzeug steuern darf. Die wichtigste und zentrale Voraussetzung ist der Gabelstaplerführerschein.

Der Staplerschein ist für das Arbeiten mit Lagerware und für viele Arbeitskontexte unerlässlich. Er ist auch die wichtigste Voraussetzung, um für Sicherheit bei der Arbeit im Lager- und Logistikzentrum zu sorgen. Denn auch wenn die Intralogistik bestenfalls wie ein Uhrwerk funktioniert – Risiken gibt es immer. Enge Lagergassen, hohes Arbeitstempo, wendige Manöver – das Qualifikationszertifikat befähigt zur Steuerung des Flurförderzeuges und sensibilisiert für die Gefahren im Lagerbetrieb.

Wieviel Geld der Gabelstaplerführerschein in Deutschland kostet, wo man ihn machen kann und welche Voraussetzungen dafür nötig sind – all das und mehr erklären wir in diesem Artikel.

Welche Voraussetzungen muss man für den Gabelstaplerführerschein in Deutschland erfüllen?

Gemäß der Richtlinie DGUV Vorschrift 68 muss man mindestens 18 Jahre alt sein, um ein Flurförderzeug innerbetrieblich befördern zu dürfen. Ausnahmen gibt es für Minderjährige, die beispielsweise eine Ausbildung zum Lagerfacharbeiter machen.

Aus arbeitsmedizinischer Sicht erfolgt die Vorsorgeuntersuchung G25, zu der die Prüfung der Seh- und Hörstärke sowie der peripheren Wahrnehmung gehören. Aber: man muss auch nachweisen, dass man geistig und charakterlich geeignet ist. Dazu gehören z.B. ein Grundverständnis für technische und physikalische Zusammenhänge sowie charakterliche Eigenschaften wie eine hohe Zuverlässigkeit.

Brauche ich zusätzlich einen Führerschein Klasse L?

Sowohl der Gabelstaplerführerschein als auch der Führerschein Klasse L erlauben ihren Besitzern die Führung von u.a. Flurförderzeugen mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h. Der Unterschied: Der Staplerschein gilt in der Regel nur für innerbetriebliche Abläufe. Möchte man mit dem Stapler zusätzlich am Straßenverkehr teilnehmen, ist ein Führerschein Klasse L erforderlich.  

Für welche Gabelstapler benötigt man einen Staplerschein?

Der Gabelstaplerführerschein ist die Voraussetzung für mehrere Arten von Flurförderzeugen, z.B.: Gabelstapler, selbstfahrende Gabelstapler oder selbstfahrende Flurförderzeuge.

Wo lässt sich der Gabelstaplerführerschein erwerben?

Kurse zum Erwerb des Gabelstaplerführerscheins werden von zahlreichen unterschiedlichen Institutionen angeboten – und gehören zum Ausbildungsinhalt vieler Lagerberufe. Aber auch das Arbeitsministerium bietet gesonderte Kurse an, ebenso bestimmte Gewerkschaften, Versicherungen und Körperschaften wie zum Beispiel:

  • DEKRA
  • TÜV Süd, TÜV Nord, TÜV Rheinland
  • DAA
  • Handwerkskammern
  • IHK

Auch viele Händler bekannter Staplerhersteller (z.B. Linde Material Handling) bieten entsprechende Kurse an. Daran knüpft sich ein nicht unerheblicher Vorteil: Wer den Staplerschein auf den Arbeitsgeräten desselben Herstellers absolviert, mit denen im Betrieb gearbeitet wird, muss sich später nicht an andere Steuerungselemente gewöhnen – praktisch!

Ausbildungsstufen & Inhalte des Gabelstaplerführerscheins

Die Ausbildung zum Erwerb des Scheins ist sukzessive aufgebaut und besteht aus mehreren Modulen. Wer ohne besondere Anforderungen den Schein machen möchte, für den reicht das Absolvieren des ersten Moduls. Hierbei handelt es sich um die grundlegende, erste Ausbildungsstufe – doch auch die hat es schon in sich.

Der Erwerb des Gabelstaplerscheins ist nicht so leicht, wie manche glauben. Man darf die Prüfung also nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn weil ein Fehler im Umgang mit Gabelstaplern fatale Auswirkungen haben kann, muss die Ausbildung entsprechend gründlich sein.

So steckt im ersten Grundmodul schon eine ganze Menge: ein umfangreicher theoretischer sowie ein nicht unerheblicher praktischer Teil.

  • Im theoretischen Teil liegt der Fokus u.a. auf den Sicherheitsbestimmungen, die für das Fahren der Flurförderzeuge relevant sind. Dabei lernt man u.a. wichtige Dinge wie das richtige Lesen und Verstehen eines Traglastdiagramms. Dieser Teil umfasst zehn Stunden.
  • Daran knüpfen zehn bis 12 Stunden praktische Anwendung an – hier muss ein Fahrzeug selbst gesteuert werden. Dabei liegt das Augenmerk darauf, Sicherheit am Flurförderzeug unter Beweis zu stellen. Und hier ist es auch, wo sich die Spreu vom Weizen trennt – denn in der Praxis darf man sich sicherheitstechnisch keine Kompromisse erlauben.

Absolviert man beide Unterweisungen, erfolgt eine finale Prüfung, in der das theoretische Wissen und das praktische Vermögen unter Beweis gestellt werden. Ist die Abschlussprüfung bestanden, darf man sich stolzer Besitzer des Gabelstaplerscheins nennen.

Manchen ist das jedoch nicht genug. Wer über Modul 1 hinausgehen möchte, auf den warten Modul 2 und 3. Hierbei handelt es sich um Spezialisierungen. Manche betriebliche Flurförderzeuge stellen besondere Anforderungen an die Fahrer (z.B. Erdbaumaschinen), die eine spezielle Handhabung erfordern. Hier wird die Ausbildung dann vertieft und ebenfalls mit einer Abschlussprüfung beendet.

Die Kosten eines Gabelstaplerführerscheins

Ist der Gabelstaplerführerschein teuer? Wenn der Staplerschein beim Arbeitgeber absolviert wird, werden die Kosten in der Regel übernommen.

Außerbetrieblich rangiert der Preis für den Gabelstaplerführerschein zwischen 150 und 300 Euro. Dies variiert je nach Länge des Kurses oder je nach Vorkenntnissen der Auszubildenden – wer z.B. bereits einen Führerschein in den Klassen AM oder A1 besitzt, für den reduziert sich die Anzahl der Theoriestunden. Im Rahmen bestimmter Programme bietet die Bundesagentur für Arbeit auch kostenfreie Umschulungen an, bei denen der Gabelstaplerführerschein inbegriffen ist.

Wie lange gilt ein Staplerführerschein?

Der Staplerschein gilt in Deutschland ein Leben lang. Allerdings müssen Unternehmen einmal jährlich eine Unterweisung durchführen. Dies dient vor allem einem: dem Einhalten wichtiger Sicherheitsstandards. Vor allem Fahrer, die nur alle paar Jahre etwas bewegen, sollten das auf dem Schirm haben – damit weiter ein verantwortlicher Umgang mit den Flurförderzeugen möglich ist.

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