Sind Pakettransporter bald autonom unterwegs?

Grünes Licht für Roboter-Postboten: Autonome Lieferfahrzeuge (im Englischen auch „Autonomous Delivery Vehicles“ oder „ADVs“ genannt) könnten ab Mitte 2021 auf deutschen Straßen fahren. Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur soll der Betrieb auf der ersten und der letzten Meile des Warentransports zugelassen werden. Durch die gesetzliche Novelle will Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen.

Während der Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Lieferungen nach Hause im Jahresverlauf 2020 deutlich zugenommen, dabei hatten KEP-Anbieter schon vor den Lockdowns mit dem großen Paketvolumen zu kämpfen. Logistikexperten suchen weltweit nach Lösungen, die Paketflut zu beherrschen: Das Unternehmen Nuro beispielsweise hat im texanischen Houston zusammen mit der US-Apotheke CVS Pharmacy ein Versuchsprojekt zur autonomen Lieferung von Medikamenten direkt an die Haustür gestartet. Im britischen Milton Keys können die Zustellroboter vom estnischen Unternehmen Starship Technologies Einkäufe von Tesco eigenständig nach Hause liefern: mit rund 7 km/h Geschwindigkeit und vergleichsweise kleiner „Tragfähigkeit“.

Auslieferung im Entenmarsch

Etwas mehr Ladung will das Start-up Ducktrain auf der letzten Meile transportieren können. Bis zu fünf kleine Elektrofahrzeuge werden dafür zu einem Zug gekoppelt. „Auf diese Weise transportieren wir das Ladevolumen eines herkömmlichen Transporters in die Städte hinein“, sagt Dr. Kai Kreisköther, Ingenieur und Chef des Start-ups, zu eurotransport. Im Zustellbezirk angekommen, teilt sich der Ducktrain auf den letzten zehn bis 500 Metern auf und einzelne sogenannte Ducks bringen die Pakete von Haustür zu Haustür. Dabei folgt der Zug einfach dem Zusteller, der zu Fuß oder auf dem Fahrrad vorne wegfährt. Die einzelnen Fahrzeuge fassen laut Ducktrain jeweils eine Europalette und können mindestens 300 Kilogramm Gewicht schultern. Der Serieneinsatz ist für 2025 geplant.

Optimale Route per Software

Größer und autonomer – und zudem lokal emissionsfrei – soll das autonome Zustell-Elektrofahrzeug von VanAssist werden. Hinter dem Förderprojekt stehen u.a. der Paket- und Expressdienst DPD und mehrere technische Unis.

In der Praxis soll das autonom fahrende Fahrzeug die Strecke vom Depot zum Zustellgebiet völlig eigenständig zurücklegen können. Die Software berechnet dabei zuvor die optimale Route. Der Zusteller steigt erst an einem definierten Treffpunkt zu. Der Clou: Während der Lieferant zum Beispiel in einem Innenhof Pakete ausliefert, fährt das Fahrzeug zum nächsten Haltepunkt ein paar Häuserblocks weiter und wartet dort auf den Zusteller.


Bildquelle: Nuro LLC, Nuro R2 Delivery