Solaranlagen: Wie kann vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt werden?

Man sieht sie auf Hausdächern, in großflächigen Solarparks und sogar schwimmend im Wasser: Photovoltaikanlagen liegen schon lange im Trend. Neben ausreichender Sonneneinstrahlung braucht es für diese Art der erneuerbaren Energiegewinnung vor allem eines: viel Platz. Mit innovativen Ideen lässt sich der bestehende Platzmangel einfach umgehen.

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung kam zu dem Ergebnis, dass es eine Fläche von rund 97.000 Quadratkilometer bräuchte, um Europa zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen. Das entspricht in etwa der Größe Portugals. Doch Solarparks in dieser Größenordnung bringen – besonders aus Sicht der Kritiker – auch das ein oder andere Problem mit sich: Sie stören nicht nur das Landschaftsbild, sondern „versiegeln“ auch wertvolle Nutzfläche.

Wie kann man also von Photovoltaikanlagen profitieren, ohne in andere Lebensräume einzugreifen? Ganz einfach, indem man bereits vorhandene Infrastruktur effizient nutzt. Ein konkretes Projekt wurde beispielsweise 2011 in Belgien umgesetzt: Auf dem 50.000 Quadratmeter großen Dach eines 3,4 Kilometer langen Eisenbahntunnels wurden 16.000 Solarzellen installiert. Pro Jahr werden damit rund 3.300 Megawattstunden Strom erzeugt.

Ein weitaus größeres Vorhaben plant das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology: ein gigantisches Solardach über Autobahnen. Derzeit arbeitet das international aufgestellte Forscherteam an einem Prototyp, der nach Fertigstellung ein Jahr lang ausgiebig getestet werden soll.

„Ob Lärmschutzwände, Straßenintegration oder eine Überdachung – insgesamt sehe ich es als absolut zielführend, die Straße als Fläche zur Stromgewinnung zu nutzen. Gemeinsam mit anderen Anlagen, etwa auf Landwirtschaftsflächen“, so Dr. Martin Heinrich vom Fraunhofer-Institut im Gespräch mit FOCUS online.

Auf der Sonnenseite

Das Schweizer Start-up dhp Technology beispielsweise ist schon einen Schritt weiter und hat ein Solarfaltdach entwickelt, das die Doppelnutzung von Infrastrukturflächen wie Parkplätzen, Kläranlagen, Logistik- und Lagerflächen ermöglicht, ohne dabei den eigentlichen Nutzungszweck einzuschränken. Seit Juli diesen Jahres überspannen die leichten Kunststoffmodule in luftiger Höhe von sechs Metern einen etwa 4.000 Quadratmeter großen Parkplatz im Kanton Appenzell und sollen jährlich rund 350.000 Kilowattstunden Strom liefern. Durch die großzügig angelegte Konstruktion können auch größere Lkw problemlos zwischen den schlanken Stützen rangieren. Bei starkem Wind oder Schnee müssen die Module allerdings wie eine Ziehharmonika eingefahren und sicher verstaut werden.

Einen weiteren Pluspunkt bringen die Photovoltaik-Faltdächer vor allem im Hochsommer mit sich: Sie spenden den parkenden Autos Schatten und sorgen dafür, dass der Asphalt weniger Wärme aufnimmt. „Gerade in urbanen Regionen tragen die Anlagen dazu bei, Hitzesommer erträglicher zu machen“, so Gian Andri Diem, geschäftsführender Partner von dhp Technology, gegenüber Neue Zürcher Zeitung.