Welche Risiken und Chancen birgt Corona für Batteriekonzerne? Dr. Marc Zoellner, CEO der HOPPECKE Gruppe, im Interview

Von einzelnen Batterien und Zellen bis hin zu kompletten Energiesystemen mit modernsten Technologien: Die HOPPECKE Gruppe ist kompetenter Ansprechpartner und Lieferant für zukunftsweisende Energiespeicherlösungen. Im Interview mit SIMPLEXITY verrät CEO Dr. Marc Zoellner was sich durch die Pandemie verändert hat – und welche dieser Veränderungen er in seinem Familienunternehmen mit in die Zukunft nehmen wird.

CEO Hoppecke Gruppe Dr. Marc Zoellner

Welche konkreten Auswirkungen hat die Corona-Pandemie für Ihr Unternehmen?

Die Corona-Pandemie hat im Unternehmen zu einer Veränderung der Arbeitsorganisation geführt. Heute arbeitet ca. 50 Prozent der Belegschaft mobil. Vor einem Jahr waren es weniger als zehn Prozent. Mit dem Wandel zum digitalen Arbeitsplatz hat sich auch die Art der Begegnung im Unternehmen verändert. Wir nutzen verstärkt digitale Medien wie Video-Podcasts, Informations-Calls oder die virtuelle Kaffeeküche, um die Belegschaft zu informieren und den Kontakt miteinander und untereinander nicht zu verlieren bzw. zu stärken.

Unser Anwendungsbereich „trak“, der Energielösungen für die Energieversorgung von Antriebssystemen in der Logistik und Industrie umfasst, hat im ersten harten Lockdown hohe Absatz- und Umsatzrückgänge gegenüber der Vorjahresperiode verkraften müssen. Mittlerweile haben sich Auftragseingang und Umsatz auf einem mittleren Niveau stabilisiert. In diesem zweiten Lockdown wirken sich die stabile Entwicklung der Logistik und der Boom des Onlinehandels positiv auf unser Geschäft aus. Wir sind optimistisch gestimmt, dass die Nachfrage sich im Jahr 2021 gut und spätestens ab 2022 wieder auf einem „Vor-Pandemieniveau“ entwickeln wird. Bis jetzt konnten wir durch unsere internationale Aufstellung einem Rückgang der Nachfrage in einzelnen Ländern insgesamt in der HOPPECKE Gruppe gut begegnen.

Welche Herausforderung (durch Corona) hat Sie bzw. Ihr Unternehmen am meisten Kraft gekostet?

Das Aufrechterhalten der Lieferketten im ersten Lockdown war für unser Unternehmen eine besondere Herausforderung sowie die Implementierung und Koordination der Schutz- und Präventionsmaßnahmen an den weltweiten HOPPECKE-Standorten. Es gab für eine solche Situation keine Blaupause.

Was hat Sie persönlich in der Corona-Pandemie (in Bezug auf Ihr Unternehmen) am meisten überrascht?

Die Disziplin, Eigenverantwortung und Solidarität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat mich persönlich sehr berührt.

Auch haben wir in der Pandemie gesehen, wie viel wir eigentlich innerhalb kürzester Zeit umsetzen können, wenn alle mitmachen. Die Implementierung unseres Covid-19 Nervecenters, ein interdisziplinäres Team, das Prozesse und Maßnahmen gestaltet zum Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter und zum Aufrechterhalten der Lieferkette, hat sich sehr schnell als eine gute Entscheidung erwiesen.

Was hat Ihr Unternehmen durch die Corona-Pandemie gelernt?

Als traditionsreiches Familienunternehmen legen wir viel Wert auf den persönlichen Kontakt mit unseren Kunden und Partnern. In Zeiten der Kontaktbeschränkungen mussten wir neue Wege finden, um mit unseren Kunden im Kontakt zu bleiben. Wir greifen heute auf eine breite Palette an digitalen Kommunikationsmitteln und -formen wie Videokonferenzen, Online-Seminaren und Social Selling (siehe Infobox) zurück, um für unsere Kunden da zu sein und diese professionell zu beraten.

Was stimmt Sie optimistisch für die Zeit nach Corona?

Die Corona-Krise hat uns bestätigt, dass wir trotz großer und unvorhersehbarer Herausforderungen gut und solide aufgestellt sind. Die strategischen Entscheidungen der letzten Jahre haben sich als richtig erwiesen. Zudem hat die Pandemie unsere Digitalisierungsoffensive intern sowie extern beschleunigt. Dies stimmt uns sehr optimistisch für die Zeit nach Corona.

Welche durch Corona erfolgten Veränderungen werden nach dem Ende der Pandemie bleiben?

Im Rahmen unserer Programme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden wir sicherlich das Angebot des mobilen Arbeitens größtenteils aufrechterhalten.

Wir haben in der Pandemie dem Thema Digitalisierung einen noch höheren Stellenwert gegeben. Von den im letzten Jahr eingeführten Verbesserungen wie beispielsweise die direkte elektronische Anbindung von Kundensystemen in unsere Auftragsabwicklung werden unsere Kunden und wir auch sicherlich in den kommenden Jahren weiterhin profitieren. Auch unsere digitalen Vertriebskanäle werden wir weiter ausbauen.


INFOBOX
Social Selling bezeichnet die Recherche, Aufnahme und Pflege von Geschäftskontakten oder Kundenbeziehungen in den sozialen Medien. Diese Methodik zielt darauf ab, Kundenkontakte über Social Media Plattformen zu knüpfen und im besten Fall auch Verkaufsabschlüsse darüber zu generieren.