Wie beeinflusst Corona die Transportbranche? Stefan Dries, Vice President von FedEx Express Europe, im Interview

Seit mehr als 35 Jahren bietet FedEx Express Europe umfassende Transport- und E-Commerce-Lösungen an – und ermöglicht seinen Kunden den Zugang zu einem umfangreichen Luftfracht- und Straßennetzwerk. Mehr als 25.000 Transporter, über 6.500 LKWs und rund 70 Flugzeuge verbinden so über 220 Länder und Gebiete weltweit. Im Interview mit SIMPLEXITY verrät Stefan Dries, Vice President Operations Germany, Switzerland and Austria, was sich für das Unternehmen durch Corona verändert hat.

Stefan Dries, Vice President of Operations, Germany, Switzerland and Austria at FedEx Express Europe 

Welche konkreten Auswirkungen hat die Corona-Pandemie für Ihr Unternehmen?

Die Corona-Krise hat zahlreiche kommerzielle Fluglinien so unter Druck gesetzt, dass sie ihre Flüge reduziert haben. Die meisten Passagierlinien haben lediglich zehn bis fünfzehn Prozent ihrer normalen Flüge durchführen können. Das hat die Möglichkeit, Güter im Bauch von Passagiermaschinen zu transportieren, enorm eingeschränkt. Fast 70 Prozent aller kommerziellen Güter, die zwischen den USA und Europa bewegt werden, werden in Passagierflugzeugen verschickt. Das wiederum hat die Nachfrage nach unseren International Express Services gesteigert. Wir haben sogar kurzfristig extra Kapazitäten geschaffen und die Frequenz unserer Routen erhöht, um unsere Kunden dabei zu unterstützen, ihre Unternehmen wieder auf die Beine zu stellen.

Welche Herausforderung (durch Corona) hat Sie bzw. Ihr Unternehmen am meisten Kraft gekostet?

Die Corona-Krise ist beispiellos, keine Frage. Mit ihr umzugehen ist eine Herausforderung – aber angesichts der Stärke unseres Netzwerks, seiner Flexibilität und der einzigartigen Expertise unserer Teams ist es eine Herausforderung, für deren Bewältigung wir einzigartig qualifiziert sind. Während dieser Zeit ist und bleibt unsere oberste Priorität die Sicherheit unserer Mitarbeiter, unserer Kunden und unserer Lieferanten. Aus diesem Grund haben wir unseren Mitarbeitern beispielsweise allein in Europa fünf Millionen Masken und acht Millionen Paar Handschuhe zur Verfügung gestellt. Insgesamt haben wir damit für Schutzequipment sowie extra Sicherheits- und Reinigungsdienstleistungen umgerechnet rund 125 Millionen US-Dollar in die Sicherheit unserer Mitarbeiter investiert.

Was stimmt Sie optimistisch für die Zeit nach Corona?

Unsere Einschätzung für die Zeit nach Corona beruht auf unserer Erfahrung. Wir sind seit 1973 tätig, und in diesen Jahren gab es viele Störungen und Krisen. Wir haben gesehen, dass sich Branchen verschieben und verändern können. Was uns optimistisch stimmt, ist, dass es immer eine Nachfrage nach Handel und Warenlieferungen gegeben hat, und wir sind ein wichtiger Teil davon, diese zu liefern. Hinzu kommt, dass wir das starke Wachstum des E-Commerce-Sektors als einen wichtigen Treiber der zukünftigen Wirtschaft sehen – etwas, auf das wir uns stark konzentrieren. Auch wenn also noch unklar ist, in welcher Form und Geschwindigkeit sich die Wirtschaft in Europa erholen wird, sind wir optimistisch und in einer starken Position, um diese Erholung mit unserem Netzwerk und unserer Fähigkeit, uns an die sich ändernden Anforderungen anzupassen, zu unterstützen.

Welche durch Corona erfolgten Veränderungen werden nach dem Ende der Pandemie bleiben?

Wir haben während der Corona-Krise einen starken Anstieg von E-Commerce beobachtet, gerade auch weil zahlreiche Unternehmen ihre Businesspläne dahingehend umgestellt haben, um mit den Herausforderungen der Pandemie umzugehen. Ich erwarte, dass dieser Trend auch im Jahr 2021 bestehen bleibt und sich Lieferketten weiter diversifizieren werden. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, entsprechende Lösungen anzubieten, um diesen Wandel zu begleiten.