Wie gestaltet man die letzte Meile unter der Erde?

Großstädte wie Los Angeles, Paris, Berlin oder London sind in ihren Wesen, in ihren   Ausmaßen und Einwohnerdichten grundverschieden, doch die Anforderungen an die urbane Logistik ist dieselbe: Wie kommen die Sendungen vom Warenlager bis zu jedem Kunden? In der Praxis gibt es heute für die letzte Meile einige umweltfreundliche Konzepte mit Lastenfahrrädern und E-Scootern. Ein zentrales Problem aber bleibt: Es existieren in den meisten Metropolen schlichtweg zu wenige Flächen für den Umschlag der Waren und als Ausgangspunkt für die Touren in die Städte. Die französische Hauptstadt versucht sich nun an einem logistischem Großprojekt und wächst… nach unten.

Der britische Real Estate Investment Trust Segro und der französische Logistik- und Gewerbeimmobilienentwickler Icade wollen im 13. Arrondissement im Süden Paris’ den ehemaligen Gobelin-Bahnhof von 1903 revitalisieren. Aktuell wird lediglich das Zwischengeschoss zwischen dem seit 1993 ungenutzten Bahnhof und der Straßenebene als Lagerräume für Händler im angrenzenden Pariser Chinatown genutzt.  Das Projekt “Reprendre Racines” (“Wurzeln neu schlagen”) von Segro und Icade wurde von der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF und der Stadt Paris ausgewählt, die den Bau als Teil des Wettbewerbs „Reinventing Paris 2“ ausgeschrieben hatte. Der Plan: In zwei Bürogebäuden mit einer Gesamtfläche von rund 14.000 Quadratmetern sollen sowohl lokale Start-ups als auch etablierte Unternehmen in der Pariser Region Büroflächen finden. Es soll spezielle Sporteinrichtungen, darunter Kletteranlagen und Basketballplätze, sowie städtische Gewächshäuser und sogar einen 1,3 Hektar großen Garten geben.

Oben tobt das Leben – und unten die Logistik

Auch unterirdisch sollen den ungenutzten Flächen neues Leben eingehaucht werden: So plant Segro ein 75.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum, wo sich der ehemalige Bahnhof befand. Bei der Neugestaltung des Gesamtareals wollen die Entwickler auf hohe Umwelt- und Wellness-Standards achten, planen eine Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Lieferdreiräder sowie Recycling-Punkte und ein Fahrrad-Reparaturzentrum.

„Das Wachstum des E-Commerce treibt die Nachfrage nach Logistikflächen in den großen urbanen Zentren voran, in denen Grundstücke für die Entwicklung eine knappe Ressource sind”, sagt Laurence Giard, Frankreich-Generaldirektorin bei Segro. „Das von uns angestrebte unterirdische Logistikzentrum am Bahnhof Gobelins ist ein neues und innovatives Modell für die Bereitstellung von Logistikflächen in einer der am dichtesten besiedelten Städte Europas.”
An der Umsetzung wird sich messen lassen, ob logistische Lösungen künftig zwar auf städtischem Grund gesucht, aber unterirdisch gefunden werden können.

 

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